Mittwoch, 18. April 2018

Ohne Kommentar


Fundstück auf Facebook (Zitat plus Video):

„Man kann den Tango sehr leicht viel zu schnell tanzen, dagegen kaum einmal zu langsam."




Einladung zur Wohnzimmer-Milonga mit Live-Musik


Liebe Tangofreunde,

unsere nächste „Wohnzimmer-Milonga“ findet mal wieder an einem Nachmittag statt, und zwar an Christi Himmelfahrt:

Donnerstag, 10. Mai 2018, von 15.30 bis 19.00 Uhr
Ort: Am Gaißberg 8, 85309 Pörnbach

Diesmal mit Live-Musik unserer „Hauskapelle“, des „Duo Tango Varieté“:
Bettina Kollmannsberger (Akkordeon)
Karin Law Robinson-Riedl (Violine und Gesang)

Foto: www.tangofish.de


Mit ihrem Auftritt hat es eine besondere Bewandtnis. Er stellt die „Generalprobe“ für unser Tangokonzert zwei Tage später im Gempfinger Pfarrhof dar:
Die Musikerinnen weisen darauf hin, dass eventuell noch nicht alles perfekt klingt. Dafür kostet es aber keinen Eintritt!

Zwischen den drei Sets lege ich vorwiegend moderne Tangomusik auf. Die Playlist der letzten Milonga findet man hier:

Anmeldung erforderlich telefonisch (08446-732) oder per Mail: mamuta-kg@web.de

Eintritt frei, Getränke und Kuchen aus eigener Fertigung gibt es zum Selbstkostenpreis.

Herzliche Grüße
Gerhard

Dienstag, 17. April 2018

Tangokurse: ja oder nein?


„Die erste Frage beim Tango-Unterricht lautet stets: ‚Wie zähle ich?‘ Und da wurde unsere Tangolehrerin regelmäßig fuchsteufelswild: ‚In der Liebe zählt ihr doch auch nicht!‘ Na, wer weiß?“
(Peter Ripota: „Tangosehnsucht“)

Kürzlich habe ich mich (wieder einmal) mit der Frage beschäftigt, wie dringend man die üblichen Tangokurse benötige. Zweifellos gibt es ja gerade in künstlerisch-kreativen Bereich sehr viele Autodidakten:

An den Kommentaren kann man sehen, dass viele diese Artikel als Behauptung verstehen, man könne Tango  locker „von selber“ lernen. Das habe ich aus einem einfachen Grund nicht gesagt: Weil es nicht stimmt – jedenfalls nicht für die überwältigende Mehrheit der Lernenden! 

Eine Leserin auf Facebook schrieb:

„Ich würde wirklich gern glauben, dass man nicht unbedingt einen Tango-Kurs braucht und mit Milongas vielleicht sogar besser dran ist. Damit hätte ja auch die nervenaufreibende Suche nach einem festen Tanzpartner ein Ende. Speziell für Folgende scheint mir das auch (aus meinem Bauchgefühl heraus) möglich zu sein, aber ... funktioniert das wirklich auch für ‚Normalos‘, die einfach Spaß an der Sache haben und mit Leidenschaft dabei sind, aber nicht unbedingt ein besonderes ‚Ausnahmetalent‘ sind? Gibt es hier (…) jemanden, der einen solchen Weg selbst eingeschlagen hat?“

Das bisherige Schweigen beweist mir: „Ganz von allein“ lernt kaum einer tanzen – wie denn auch?

Nicht sehr viel höhere Erfolgschancen sehe ich allerdings für den Normalfall: die Buchung eines meist längeren Gruppenunterrichts bei irgendwelchen Tangolehrern.

Um mir nicht vorwerfen zu lassen, ich hätte neuere Entwicklungen in der Tanzschulbranche verpasst, habe ich vor knapp zwei Jahren als Springer bei einem Tangokurs mitgemacht. Das Ergebnis: Eher alles so wie vor fast 20 Jahren, als ich meine ersten Anfängerstunden besuchte.

Meine Einwände gegen solche Veranstaltungen sind nach wie vor:

·         Es wird von den Tangolehrern viel zu viel geredet und „vorgemacht“, statt sich um die Lernenden individuell zu kümmern, indem man ihr Tanzen begleitet.
·         Die Musik spielt eine zu geringe Rolle; selbst wenn dann mal getanzt werden sollte, sind es bestenfalls die bekannten, schleppenden Stücke – oder sie werden durch Einzählen ersetzt.
·         Die Unterweisung besteht im Wesentlichen darin, das nachzumachen, was der Lehrer vorzeigt. Frühzeitige Anregungen zu eigenen Variationen sind Mangelware – die Lernenden werden so zu passiven Objekten degradiert.
·         Didaktisch mehr oder meist weniger geschickt wird der „Stoff“ in Häppchen zerteilt und anschließend zusammengesetzt. Der Fokus liegt nach wie vor auf „Figuren“ oder „Abfolgen“, nicht auf der weit nützlicheren Tanztechnik.
·         In der Mehrzahl der Kurse hält man immer noch an der Mär vom „Führen und Folgen“ fest. Dass Paartanz eine wechselseitige Kommunikation und Aktivität darstellt, kommt jedenfalls in der Praxis viel zu kurz.
·         Immer noch weigert sich das meiste Lehrpersonal hartnäckig, direkt mit dem einzelnen Schüler zu tanzen. Dabei ist dieses „Erspüren“ durch nichts zu ersetzen!
·         Wer bei Kursanmeldungen auf einen „festen Tanzpartner“ besteht, hat damit schon bewiesen, dass er vom Tango alles Mögliche hat – nur keine Ahnung! In Wahrheit ist es mehr als Pappendeckel, ob mal zwei Frauen oder gar Männer (!) miteinander üben wie in der Tango-Frühzeit. Ein Rollen- und Partnerwechsel könnte Variabilität und gegenseitiges Verständnis enorm fördern. Dass etliche Schüler das nicht wollen, darf keine Rolle spielen: Bei Fahrstunden werden sie auch nicht gefragt, wie sie gerne den Führerschein machen möchten!  
·         Weiterhin wird Tanzunterricht nach dem „Richtig oder Falsch-Schema“ erteilt. Letztlich wird somit erwartet, dass die Schüler so tanzen sollen wie ihre Lehrer. Das ist aber deren Tango – jeder muss seinen eigenen finden! Beim Entwickeln eines eigenen Stils werden die Lernenden bestenfalls nicht gefördert – meistens sogar durch ständige Korrigiererei behindert.

Bis zum seligen Hinscheiden halte ich daher an einem genialen Satz meines Tangofreundes Peter Ripota fest:
„Beim Tango argentino ist es das Schlimmste, so zu tanzen wie alle anderen.“

Die Tangolehrer geben es zwar nicht zu – wäre schlecht fürs Geschäft – aber den Helleren unter ihnen ist schon klar, dass ihre Schüler mehr Technik, weniger Figuren, intensivere Übung, selbstständigeres Tanzen und schwierigere Musik bräuchten, um weiterzukommen. Nur ist halt die Furcht groß, die Kundschaft könnte dann zur Konkurrenz laufen, die nach drei Unterrichtsstunden schon einen Gancho im Programm hat. Also müssen immer wieder Placebo-Themen her, damit die Lernenden glauben, sie könnten schon Tango…

Sorry, aber für mich gehört zu einem Lehrer vor allem die Aufrichtigkeit, ein Fach so zu unterrichten, wie es sich gemäß eigener Sachkunde darstellt – und nicht dummes Zeug zu labern, nur, weil es sich besser verkauft. Niemand hat gesagt, dass man vom Tango leben kann. Im Zweifel empfehle ich, vorsichtshalber noch etwas Anständiges zu lernen!

Die Verantwortung trifft aber ebenso die Schüler: Wer immer noch die Wahl des Tangounterrichts von der kürzesten Fahrtstrecke, den niedrigsten Preisen oder gar der argentinischen Abstammung des Personals abhängig macht, dem ist nicht zu helfen. Ob ein Lehrer aus Buenos Aires oder vom Nachbardorf kommt, sagt genau nichts über seine Befähigung aus – und schon gar nicht eine lange Liste angeblich gehabter Starlehrer, tolle Tanzshows oder die Platzierung bei Meisterschaften. Lehren erfordert ein intuitives Eingehen auf die Stärken und Schwächen des einzelnen Schülers. Streng genommen muss man dazu nicht einmal Tango können – höchstens tanzen. „Im Blut“ hat man vielleicht Alkohol oder Grippeviren, aber keinen Tango!

Tango also „ganz allein“ lernen – einfach durch Abschauen? Das werden nur sehr Begabte hinbekommen. Aber es gibt so viele Möglichkeiten jenseits der üblichen Kurse! Vor Einzelstunden scheuen die meisten wegen des höheren Preises zurück, obwohl der einen überzeugenden Grund hat: Man lernt ungleich schneller!

Aber es geht auch preiswerter: Warum trifft man sich nicht mit einigen Tangofreunden zu privaten Übungsstunden? Wenn nicht alle das gleiche Level haben – umso besser: Durch diesen gegenseitigen Austausch kommt man, wie ich aus eigener Erfahrung weiß, enorm weiter, und zwar nicht nur die schwächeren Tänzer! Im Extremfall helfen sogar YouTube-Videos, weil man dort auch nicht weniger sieht als in einer üblichen Tangostunde.

Aber klar – jeder lernt anders und darf sich seinen Weg zum Tango alleine suchen – aber bitte aktiv und selbstständig, und nicht mit der Erwartung, alles müsse bequem sein und auf dem Silbertablett serviert werden. So wird es nämlich garantiert nichts!

Fazit:

Ich weiß, dass ich vieles schon in früheren Texten angesprochen habe. Der Vorwurf der Redundanz lässt mich jedoch kalt: Meine hartnäckige Veröffentlichung von Playlists wurde ebenso als unnütz abgetan. Gerade aktuell sehe ich wieder, dass dies immer mehr Nachahmer findet: https://www.ichtich.de/?p=1290

Und sicherlich wird es weiterhin Leute geben, die behaupten, ich sei ein Gegner des Tangounterrichts. Ja, mei‘…

Lassen wir denn die begnadeten Tanzpädagogen mit dem „Authentizitäts-Knopf im Ohr“ weiterhin vormachen, dass sie es selber können. Das glaube ich ihnen sogar – es ist mir jedoch piepegal. Mögen die Tangoprinzen und ihre Holden im Paso basico laut zählend in eine glückliche Zukunft schreiten – und wenn sie nicht gestorben sind, dann reden sie noch heute…