Mittwoch, 16. August 2017

Veganerin trifft Moskito



Heute stieß ich auf ein ziemlich neues Blog einer slowenischen Tangolehrerin: Unter dem Label „TangoCafé HANNAH Ljubljana“ schreibt dort Hannah A. Tomšič. Ich finde ihre Texte ziemlich direkt und frech – daher habe ich einen davon übersetzt:

„Sag ja zu dir – selbst wenn das ein Nein für ihn ist“

Männer beklagen sich oft darüber, dass sie die Frauen nicht verstehen. Kein Wunder. Es ist tatsächlich kompliziert, eine zu sein.

Die starke Neigung, sich um andere zu kümmern, ihre Nöte zu berücksichtigen und die Sorge um ihre Gefühle können manchmal darin enden, das eigene Wohlbefinden zu ruinieren.

Lassen Sie mich ein Beispiel geben:

Manchmal werden Sie, eine nette Frau, von einem Mann aufgefordert, der Ihnen beim Tanzen wirklich Schmerzen zufügt – natürlich nicht mit Absicht. Vielleicht ist sein linker Arm in einer seltsamen Position und verdreht Ihre Hüfte. Oder er presst Sie zu fest gegen seine Brust. Oder, noch schlimmer, er beugt sich so über Sie, dass Ihr unterer Rücken beim Versuch, den Kontakt im Oberkörper beizubehalten, höllisch leidet. Oder er stößt ständig mit seinen Knien an Ihre.

Das gefällt Ihnen zwar nicht, aber Sie stehen es durch. Ständig sagen Sie sich, es sei nicht wirklich sein Fehler, er wisse es einfach nicht besser.

Also nehmen Sie Ihren Mut zusammen und sprechen es nach dem ersten Stück der Tanda sehr nett und höflich an. Er nimmt es positiv auf, entschuldigt sich und gibt sich viel Mühe, es zu ändern – aber innerhalb von zehn Sekunden ist seine Aufmerksamkeit sonstwo, und Sie finden sich in der vorherigen, schmerzlichen Situation wieder. 

Nun haben Sie drei Möglichkeiten: Sie können ihn entweder nochmal dran erinnern. Dies wird mit Sicherheit das Vergnügen für die restliche Tanda zerstören: Er fühlt sich kritisiert und macht dicht. Sie werden sich schlecht fühlen, da Sie seine Gefühle verletzt haben, und die hauptsächliche Aufmerksamkeit beider wird sich auf diesen Punkt des Unbehagens richten. Und Ihr Fokus liegt von Anfang an auf dem Schmerz, also kümmern Sie sich nur um sich selber.

Zweitens können Sie den Mund halten. Sie merken, dass Sie nicht viel ausrichten können. Er ist unfähig, seine Haltung zu stabilisieren, jedenfalls nicht so schnell. So leiden Sie still während der restlichen Tänze. Natürlich versuchen Sie, in eine möglichst schmerzarme Position zu kommen, weh tut es jedoch trotzdem. Sie bewahren die höfliche Atmosphäre und sind stolz auf sich, Ihre freundliche Maske aufrecht zu erhalten und keine soziale Krise zu provozieren.

Denn genau dies wäre die dritte Option: Sich beim Partner nach dem nächsten Stück zu bedanken, auch wenn die Tanda noch nicht vorbei ist. Er wird betroffen sein, und Sie werden zur Zielscheibe anklagender Blicke der anderen Tänzer. Vielleicht kommen sogar Leute und erzählen Ihnen, dass sowas im sozialen Tango nicht erlaubt sei.

Sie haben recht. Soziales Tanzen bedeutet eine gewisse Verantwortlichkeit gegenüber der Gemeinschaft. Ich bin eine starke Verfechterin einer rücksichtsvollen Ronda, in der jedes Paar auf seiner Spur bleibt und auf das Paar davor und dahinter achtet. Jeder sollte das Parkett vorsichtig betreten und sogar beim Sitzen direkt an der Tanzfläche darauf achten, nicht mit Beinen oder Stühlen den Weg der Tänzer zu blockieren. Unnötig zu sagen, dass ich eine nötige Ablehnung in einer sehr privaten Weise äußere, sodass ich Gefühle nicht öffentlich verletze.    

Aber es gibt einen Punkt, wo für mich das „Veganer trifft Moskito“-Thema beginnt. Eine enge Freundin von mir ist seit Jahrzehnten Veganerin und achtet sehr darauf, kein anderes Lebewesen auf diesem Planeten zu verletzen. Klugerweise meinte sie aber einmal, sie müsse gelegentlich Moskitos töten. Das überraschte mich, doch sie erklärte es mir: Es demonstriere, dass ihre Selbstliebe größer sei als die Liebe zu den Moskitos.

Genau deshalb müssen wir Folgenden manchmal ja zu uns selber sagen, indem wir anderen ein Nein geben. Das ist nicht angenehm, aber wir haben jedes Recht zu zeigen, dass wir unseren eigenen Körper respektieren und daher keinen unnötigen Schmerz akzeptieren.

Daraus könnte sich ein zusätzlicher Nutzen ergeben. In einer Tangoszene, in der die Mehrheit der wunderbar Tanzenden weiblich ist, müssen sich die knappen Männer nicht sehr um Verbesserung bemühen. Vielleicht merken sie nicht einmal, dass es in ihrem Tanz noch etwas zu reparieren gibt. Nach einigen Jahren des Lernens hörten sie mit dem Unterricht auf, da sie genügend tanzbereite Folgende auf den Milongas fanden. Möglicherweise fehlt ihnen die Motivation, sich weiter zu verbessern. Wenn niemand ihnen erzählt, dass sie Schmerzen bereiten, merken sie es eventuell nicht einmal. Ich gebe zu, dies ist nur meine Vermutung. Sehr wahrscheinlich gibt es viele Gründe, warum jemand mit dem Lernen aufhört. Aber das ist eine andere Geschichte.

Soweit der Text, welcher einige Wahrheiten, jedoch auch etliche Ansatzpunkte für Satire liefert.

Vielleicht sollte ich doch einmal nach Slowenien reisen, wenn dort „die Mehrheit der wunderbar Tanzenden weiblich ist“, Männer hingegen zur Quälerei tendieren. Aber im Ernst: Ich kenne viele der Empfindungen der Autorin vom eigenen Tanzen – nicht direkt körperliche Schmerzen, aber doch den Wunsch, das erste Stück der Tanda möge auch das letzte sein.

Auf jeden Fall aber dürfte der Artikel zu verstärkten Kursanmeldungen von Tangueros führen, und dann hat er ja zumindest einen Zweck erreicht.

Doch ich möchte mich mit Anmerkungen zurückhalten, denn ich verstehe die Frauen ebenso wenig wie die Tänzer in Slowenien. Vielleicht können weibliche Leser hier treffendere Gedanken äußern.

Die Einstellung der Veganerin ist mir jedenfalls nicht fremd: Wenn ich die Wahl zwischen gnadenlosem Hunger und einem Schweineschnitzel habe, ist meine Selbstliebe… genug, diese Fraktion kann gelegentlich ziemlich militant sein!

Hier der Originaltext:

P.S. Der Biologe in mir sträubt sich allerdings gegen den Moskito-Vergleich: Bei den Stechmücken saugen nur die Weibchen Blut, die Mundwerkzeuge der Männchen sind verkürzt und so für das Stechen ungeeignet. Sie beschränken sich daher auf das Ansaugen freiliegender Flüssigkeiten.

Dienstag, 15. August 2017

Duo Tango Varieté backstage

So sehen die (sehr häufigen) Proben unserer beiden Musikerinnen aus: Bettina Kollmannsberger (Akkordeon) und Karin Law Robinson-Riedl (Violine, diesmal ohne Gesang) interpretieren den Tango-Vals "Palomita Blanca" ("Weißes Täubchen").

video

In dem Fall war es allerdings ein spontanes Vorspiel für einen privaten Besuch. Ansonsten wäre meine Einflussnahme auf die beiden Damen etwas deutlicher ausgefallen. Aber die beiden - so sagen sie wenigstens - reagieren inzwischen auch schon auf Blicke und kleine Gesten!

Übrigens kann man das Duo auch buchen:
www.robinson-riedl.de

Was Ihnen Ihr Tangolehrer nicht erzählt… 14



Gestern bin ich auf ein sehr interessantes Thema gestoßen: Wie lernte man in der berühmten „Goldenen Ära“, also ab Mitte der 1930-er Jahre, in Argentinien das Tangotanzen?
Fest steht ja: Ein Angebot von „Kursen und Workshops“ wie heute gab es sicher nicht.

Der Artikel dazu stammt von Christine Denniston, einer der führenden Persönlichkeiten des Tango in Großbritannien. Die studierte Physikerin schreibt Bühnenstücke, arbeitet als Tanzlehrerin und hat ein (in ihrer Heimat) viel beachtetes Buch herausgebracht: „The Meaning of Tango: The Story of the Argentinian Dance“.
Sie studierte diesen Tanz längere Zeit in Buenos Aires.

Basis des schon 2003 veröffentlichten Textes sind die Aussagen von Zeitzeugen – und damit musste man sich schon damals beeilen: Zirka 1925 oder früher sollten die ja geboren sein. Und, da bin ich ganz sicher: Diese Geschichten wird Ihnen Ihr Tangolehrer – schon aus Selbsterhaltungstrieb – gewiss nicht erzählen!
Nun aber zum Thema:

„Der traditionelle Weg, Tango zu lernen“

Dieser Weg, so habe die Befragung älterer Herren aus allen Teilen der argentinischen Hauptstadt ergeben, sei für männliche Jugendliche erstaunlich ähnlich gewesen: Mit 13 Jahren entstand allmählich das Bedürfnis, an Mädchen heranzukommen, was in der damaligen Gesellschaft nicht so einfach war. Es stand jedoch ein Königsweg offen: Tango zu lernen.

Wissen sollte man hierzu, dass die Jungs zu der Zeit mit spätestens 11 Jahren die Schule beendeten und mit 13 schon im Erwerbsleben standen, also viel selbstständiger waren als ihre Altersgenossen heute bei uns.

„Tangoschulen“ gab es zwar keine, jedoch Practica unter Männern. Und was lernte man dort erst einmal? Die folgende Rolle! Klar: Führen konnten die Bengel ja noch nicht, also ließen sie sich von den Älteren so lange auf dem Parkett herumschieben, bis es mit den „Frauenschritten“ so halbwegs klappte. Mindestens ein Dreivierteljahr blieb es dabei, dann erst durfte man unter Anleitung versuchen, Gleichaltrige zu führen.

Erst nach insgesamt mindestens drei Jahren kam schließlich der große Moment: Der Eleve wurde von einem erwachsenen, routinierten Tänzer auf eine Milonga begleitet. Freilich hätte er da niemals eine Frau aufgefordert bekommen: Die Damen, damals noch deutlich in der Minderzahl, durften unter den besseren Tänzern wählen. Der ältere Begleiter musst da schon eine Bekannte fragen, so nach dem Motto: „Ich hab heut den Buben dabei, sei so nett und tanz mal eine Runde mit ihm!“

Wenn es gut klappte, wurde der junge Mann öfters zu Tangoveranstaltungen mitgenommen, erwarb sich so einen gewissen Ruf und wurde mit der Zeit von den Tänzerinnen als Partner akzeptiert. Wenn nicht: zurück in die Männergruppe… üben, und zwar vier bis fünf Mal pro Woche!

Der Wert dieser Practica ging übrigens weit über ihre Funktion als „Durchlauferhitzer“ hinaus: Nach Aussage der Zeitzeugen tanzten dort Männer, welche die folgende Rolle besser beherrschten als die Damen auf der Milonga. Wer also richtig geil tanzen wollte, ging auf solche Übungsabende. Da durfte man auch mal was riskieren, was tänzerisch danebenging. Milongas dagegen waren dazu da, Frauen kennenzulernen und sich in der „Tango-Society“ einen Namen zu machen. Sich zu vertanzen war da eine sehr schlechte Option…

Und wie lernten Frauen den Tango? Meist auf ganz ähnliche Weise, allerdings in der Familie: Die Mädchen übten mit Vater, Mutter oder größeren Geschwistern, bis sie für „reif“ genug befunden wurden, eine Milonga zu besuchen – natürlich in Begleitung eines Erziehungsberechtigten oder des älteren Bruders. Die hatten ein waches Auge darauf, dass die jungen Damen nicht über die Stränge schlugen: Tänzer mit schlechtem Ruf, fragwürdigen Manieren oder rudimentären Fähigkeiten hatten keine Chance. Und: Wegen des Frauenmangels waren die Ansprüche an das Können der Damen deutlich geringer.

Fragte die Autorin einen Zeitzeugen: „Die Mädchen lernten den Tango bei ihrer Mutter? Heißt das, diese konnte auch führen?“, so wurde sie mit Blicken betrachtet, als ob sie nicht ganz bei Troste sei. Ja doch, selbstredend konnten die Damen auch führen, was denn sonst?

Was mich an diesem Bericht so fasziniert und meine Kritik am heutigen Tangounterricht bestätigt: Das Erlernen unseres Tanzes wurde als langer, organisch wachsender Prozess betrachtet. Wer also heute Angebote wie „Schnupperstunde und dann gleich auf der Milonga weitertanzen“ macht, hat – zumindest in den Augen der Altvorderen – einen an der Waffel. Und jeder, der sich ernsthaft mit diesem Metier beschäftigte, lernte beide Parts – die Männer sogar zunächst die folgende Rolle.

Und – erstaunlich genug – das Tanzen unter Männern hatte offenbar keinerlei „schwule“ Attitüde, denn diese Neigung hätte in der damaligen Gesellschaft zu einer harten Ausgrenzung geführt.

Auf jeden Fall hatte das Erlernen des Tangotanzes in der „Goldenen Epoche“ kaum etwas mit dem zu tun, was heute – auch und gerade bei „Traditionalisten“ – als „Tangounterricht“ akzeptiert wird. Die resultierende Elend kann man auf fast jedem Milongaparkett beobachten.

Führt, wie man ja heute ansonsten gerne glaubt, ein Weg zurück in diese Epoche? Wohl nicht! Eine Voraussetzung wäre, dass es (wie damals) für die durchschnittlichen Menschen nur wenige Alternativen gäbe, aus der Freizeit etwas Sinnvolles und Attraktives zu machen. Heute herrscht hierbei eher ein Überangebot: Wenn’s mit dem Tango nicht gleich klappen sollte, versucht  man es halt mit Qigong oder Töpfern…   

Lästerliche Schlussfrage: Ist die „EdO“ gerade deshalb so zu preisen, da es damals noch keine „Tangolehrer“ gab?

Hier der Originaltext:
http://www.history-of-tango.com/learn-to-dance.html

Montag, 14. August 2017

501



Nach 500 Artikeln auf meinem Blog (in weniger als 4 Jahren) finde ich es spannend, einmal Bilanz zu ziehen. Wie ist die Resonanz der Leser, und vor allem: Stimmt sie überein mit der verlautbarten Kritik an meiner Seite, welche sich vor allem auf 4 Punkte bezieht.

·         Ich sei im Tango ein Außenseiter, welchen eh keiner ernst nehme.
·         Abstoßend wirke meine „Hetze“ gegen weite Teile der Tangoszene.
·         Es langweile erheblich, immer wieder die gleichen Themen behandelt zu sehen.
·         Das schwache Interesse an meinem Blog dokumentierten schon die geringen Kommentarzahlen.

Schauen wir uns einmal die zehn meistgelesenen Texte des Blogs an:

Mit Abstand an der Spitze steht – was mich natürlich besonders freut – die Werbung für die 2. Auflage meines Tangobuches, welches Ende 2016 herauskam. Seit 2010 ist der „Milonga-Führer“ auf dem Markt, und ich kenne nur wenige Werke zum Tango, welche nach wie vor im Gespräch sind und sich auch gut verkaufen.

Mein Text zur „engen Umarmung“ hat kürzlich hohe Wellen geschlagen und zu einer Reihe von Folge-Artikeln geführt. Wie fast immer hat der erste die meisten Zugriffe:

Herumsitzende, von den Tänzern ignorierte Frauen sind ein „Dauerbrenner“, was gleich an drei sehr oft gelesenen Beiträgen ersichtlich wird:

Ebenfalls immer noch großes Interesse finden Texte, welche sich mit Verhaltensweisen in der Münchner Tangoszene beschäftigen (wohl auch deshalb, da diese Tendenzen gar nicht regional begrenzt sind):

Eine Ausnahmeerscheinung ist ein Gastbeitrag von Annette Herget über Tango und Aikido. Abgesehen vom sehr originellen, gut bearbeiteten Thema dürfte ein Grund für die vielen Zugriffe sein, dass die Autorin den Text auf der eigenen, viel gelesenen Webseite verlinkt:

Lange Zeit Spitzenreiter war ein Bericht über den gegen mich gerichteten Amoklauf eines Wiener Tangolehrers:

Zusammenfassend fällt auf, dass die meisten Themen nicht „neu“ sind, sondern einen Bereich behandeln, welcher seit vielen Jahren auf den Internet-Foren diskutiert wird: das Sozialverhalten (oder schlicht der Benimm) im Tango – inklusive der Frage, was und wie viel gewisse „Regeln“ bewirken.

Nun habe ich ja durchaus eine Menge Artikel verfasst, die Originelleres (oder Abstruses) zum Thema hatten. Das nüchterne Ergebnis: Was besser ankommt, sind ständige Varianten zum offenbar zentralen Interesse – dem „Zwischenmenschlichen“ im Tango. Und das umso mehr, je drastischer es danebengeht: sex and crime

Und was ich durchgehend seit Jahren beobachte: Konfrontative Texte erregen weit mehr Aufmerksamkeit als „weiche“ Themen. Aktuell geht es in mindestens 6 der 10 meistgelesenen Artikel ziemlich hart zur Sache – deutlich mehr als im Durchschnitt der 500 Blogbeiträge.

Offenbar ist der Leser ein Zwitterwesen: Er fordert zwar die Übertragung von Schachpartien, schaut aber dann doch lieber Wrestling…

Im Mittel größer ist auch das Interesse an selbst erlebten Geschichten (obwohl Einzelfälle weniger aussagen als allgemeine Darlegungen). Zirka die Hälfte der obigen Artikel gehört in diesen Bereich, im Blog insgesamt sind es deutlich weniger.

Ebenso kann ich von den Zugriffszahlen her mit meiner Rolle als „Außenseiter“ ganz gut leben: Mit über 400 Klicks täglich haben diese heuer einen neuen Spitzenwert erreicht. Mangelndes Interesse sieht anders aus… Mein herzlicher Dank gilt daher allen Lesern!

Wichtig erscheint mir jedoch folgende Tatsache: Kein Mensch kann beurteilen, wie viel Zustimmung oder Ablehnung ein Text erfährt. Eventuelle Kommentare erzeugen da leicht ein sehr schiefes Bild! Nach dem Kennenlernen einer dreistelligen Zahl von Tangoblogs (die meisten davon in englischer Sprache) steht für mich fest: Solche Anmerkungen sind generell eher Mangelware – ich glaube nicht, dass im Schnitt mehr als 5 Prozent der Leser Kommentare hinterlassen. Selbst wenn diese einheitlich zu Lob oder Verdammung tendieren, erfahren wir nie, was die anderen 95 Prozent von einem Text halten.

Aber auf meinem Blog gibt es ja – glaubt man manchen Kritikern – so gut wie keine Leseranmerkungen! Nun, derzeit sind es insgesamt 1480, also etwa 3 pro Artikel. Selbst auf dem sehr rege besuchten Forum „tanzmitmir“ liegt die Publikumsreaktion nur um die 2 Prozent – und das, obwohl dort im Tangobereich schauerliche Themaverfehlungen und einfältigstes Gelaber die Regel sind.

Was mich besonders freut: Die Kommentare auf meinem Blog sind weniger durch totale Ablehnung oder heftige Verehrung geprägt, sondern stellen in der Mehrzahl ergänzende Anmerkungen zu den Artikeln dar – oft mit interessanten und wertvollen Verweisen auf weitere Quellen. Ich finde, so kann’s weitergehen!

Aber da ja persönliche Erlebnisse besonders attraktiv wirken, hier noch die neueste Geschichte aus dem obigen Forum:

Einem dortigen Schreiber ging es wohl schon bei der Anmeldung um einen persönlichen Bezug zu mir, da er sich – in Anspielung auf mein dortiges Kürzel „G.R.“ – „G.R.Ewing“ nannte. Vom Stil her ist er ein trolliger Provokateur, der immer wieder versucht, Kontroversen (speziell zwischen Cassiel und mir) hervorzurufen. Meist kriege ich erstmal mein Fett ab:

„…der im Übrigen von mir wegen seiner mit der Blogger-Tinte häufig allzu großzügig und oft reflexhaft verspritzen Häme gegen alles und jede/n sonst in aller Regel nicht sooo sehr geschätzt wird!"

Als ich bei einem bestimmten Thema Herrn Cassiel sogar einmal recht gab, war er sichtlich enttäuscht:

„Hmm, eigentlich schön, dass ihr euch - zumindest teilweise - mal einig seid, aber wie der Wiener wohl sagen würd': ‚a bissl fad isses scho !‘ "

Prompt stieg er auf eine andere Strategie um, nämlich meinen Konkurrenten hemmungslos zu loben:

„Was auf jeden Fall aber wieder einmal deutlich auffällt: im Gefolge Deiner früheren Blogartikel - und selbst zu diesem Gastbeitrag - finden sich oft so ausführliche und inhaltsvolle Diskussionen Deiner Leser, wie so manch anderes Blog sie nicht ein einziges Mal hervorgebracht hat ..
Sich hierdurch angesprochen fühlende ‚Möchtegern-Journalisten‘, wie z.B. G.R., dürfen das gerne durch ein Gegenbeispiel widerlegen ...“

Da kam ich dann doch nicht umhin, aus dem Diskussionsteil zu diesem Text einige der dort üblichen verbalen Ausfälle zu zitieren:

„Jeder von uns hat sich schon genug blöde Sprüche irgendwelcher arroganter Zicken anhören müssen - das gehört halt dazu.“

„Wenn Du auf eine Augenhöhe mit uns kommen möchtest - dann finde einen angemessene Art u Weise, mit uns zu kommunizieren! In diesem flegelhaften Ton bist Du in diesem Blog nicht wirklich richtig aufgehoben...“

„In meinem Ohren eine ganz ungute Wortwahl und hochnäsige Deutungshoheit.“

„Ansonsten bist Du diejenige, die hier mit Vorwürfen und einem unfreundlichen, humorlosen Tonfall (nicht nur mir gegenüber) auffällt.“

Aber einem Troll gegenüber haben Zitate überhaupt keinen Sinn:

Für seine selektiv verkürzende und dadurch passend zu seiner ‚tintenreichen Häme‘ zurecht-gebogenen Zitierweise ist der Gerhard Riedel ja hinlänglich bekannt.
Und prompt hat er uns mal wieder ein schön-häßliches Beispiel dafür geliefert. Er kann halt nicht aus seiner zwanghaften Zyniker-Haut raus, der arme Kerl.“
Lassen wir dies als Motto für die nächsten 500 Blogartikel so stehen!

„501“ ist übrigens eine durchaus magische Zahl: Im Jahr 1890 verwendete Levi Strauss für eine Serie praktischer Arbeitshosen die Partienummer „501“, die sich fortan als Begriff für die wohl am meisten getragene Jeans dieser Welt etablierte.
Diese Hose steht – wie der Tango – für die Auswanderer in die Neue Welt und ebenso für die Rebellion der Rock’n Roll-Generation gegen eine spießige Elterngilde, welche diese neue Entwicklung als „Negermusik“ titulierte.
(Freilich wird inzwischen kein einziges Stück der legendären Röhre mehr in den USA gefertigt – im Gegensatz zu den Texten „made in Pörnbach“…)

Und noch eins gilt für Hose und Blog: Nicht jeder Arsch muss sich darin wohlfühlen.